Longenstunden - das heimliche Fitnessstudio für Reitanfänger

Es gibt diesen Moment, den jeder Reitanfänger kennt.

Man sitzt zum ersten Mal auf einem Pferd. Unten sieht die Welt plötzlich erstaunlich weit weg aus. Das Pferd atmet. Die Ohren wackeln. Irgendwo schnaubt es. Und man fragt sich leise: "Warum fühlt sich das eigentlich so viel höher an als gedacht?"

Herzlichen Glückwunsch – Sie haben gerade Ihre Reiterkarriere begonnen.

"Ich lenke jetzt!"

Oder zumindest glaubt man das. In Wahrheit hat das Pferd meistens schon längst beschlossen, wohin es geht. Es ist freundlich genug, den Anfänger dabei nicht bloßzustellen.

Und genau deshalb gibt es Longenstunden.

Während das Pferd entspannt auf einem großen Kreis läuft, müssen Reitanfänger sich nicht gleichzeitig Gedanken über Lenken, Tempo, Hufschlag, andere Pferde oder den Weg zur Hallentür machen.

Stattdessen geht es um die wirklich wichtigen Dinge:

  • Wo gehören meine Hände eigentlich hin?

  • Warum sollen die Schultern locker sein?

  • Wie sitzt man, ohne sich am Sattel festzuklammern?

  • Und weshalb behaupten alle ständig: "Locker sitzen!"?

Reiten ist Sport. Wirklich.

Viele stellen überrascht fest, dass sie nach ihrer ersten Longenstunde Muskelkater an Stellen haben, von deren Existenz sie bisher nichts wussten.

Die gute Nachricht: Das ist völlig normal.

Beim Reiten arbeiten Balance, Körperspannung, Koordination und Beweglichkeit gleichzeitig. Das Pferd bewegt den Reiter permanent mit und der lernt Schritt für Schritt, diese Bewegung aufzunehmen, statt dagegen anzukämpfen.

Das Pferd ist der beste Lehrer

Pferde merken erstaunlich schnell, ob jemand ruhig sitzt oder hektisch wird. Je entspannter der Reiter, desto entspannter läuft meist auch das Pferd.

Deshalb geht es in den ersten Longenstunden gar nicht darum, möglichst schnell angallopieren zu können. Viel wichtiger ist es, Vertrauen aufzubauen, zum Pferd und zu sich selbst. Denn ein guter Sitz ist die Grundlage für alles, was später kommt.

Keine Eile

Fast jeder Anfänger möchte möglichst schnell "richtig reiten". Wer sich aber am Anfang Zeit nimmt und die Grundlagen sauber lernt, macht später oft die größten Fortschritte. Und ganz ehrlich: Jeder erfahrene Reiter erinnert sich noch an seine ersten Longenstunden.

An das ungewohnte Gefühl, an das Lachen, an die kleinen Unsicherheiten und an den Moment, in dem plötzlich alles ein kleines bisschen leichter wurde.

Genau dafür sind Longenstunden da. Und vielleicht beginnt genau dort eine Leidenschaft, die ein Leben lang bleibt.

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Was ziehe ich zur ersten Reitstunde eigentlich an?